Don’t touch – die Purple Line und der Geburtsfortschritt

Don’t touch – die Purple Line und der Geburtsfortschritt

Vertraue deinem Gefühl

Vielleicht hast du selbst bereits die Erfahrung gemacht, dass du während der Geburt deines Kindes nicht berührt werden wolltest. Oder du hast eine entsprechende Vorahnung in Bezug auf deine bevorstehende Geburt. Möglicherweise hast du dann auf vaginale Untersuchungen unter der Geburt erst recht keine Lust. In diesem Fall möchte ich dir gerne nachfolgende nicht-invasive Methode zur Beurteilung des Geburtsfortschritts ans Herz legen bzw. dir empfehlen, diese Methode mit deiner Hebamme zu besprechen und sie in deinen Geburtsplan aufzunehmen.

Unerwünschte Interventionen im Geburtsverlauf

Bei einer Geburt gibt es in der Regel zwei Hauptrollen. Eine davon bist du! Die Mutter, die ihr Kind zur Welt bringt. Die zweite Hauptrolle hat nicht etwa das geburtshilfliche Personal, sondern dein Baby inne. Ihr beide wisst intuitiv, wie Geburt funktioniert. Selbst, wenn du zum ersten Mal ein Kind erwartest. Das ist tatsächlich so! Hier empfehle ich dir, es ganz wie Pippi Langstrumpf zu halten: „Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe.“

Leider kommt es immer wieder vor, dass (oft unnötigerweise) in den Geburtsverlauf eingegriffen wird. Noch schlimmer ist jedoch, wenn dies ungefragt und ohne vorherige Absprache passiert. Dazu gehören auch vaginale Untersuchungen, bei denen die Öffnung des Muttermundes festgestellt wird. Allerdings handelt es sich hierbei tatsächlich lediglich um eine Feststellung. Anhand des Ergebnisses lässt sich nämlich nicht voraussagen, wie lange die Geburt noch dauern wird. Höchstens, ob sie in das vorgesehende Schema passt. Da Geburten jedoch immer ganz individuell ablaufen und es somit unzählige Möglichkeiten gibt, wann sich der Muttermund wie weit öffnet und wie schnell oder gemächlich es mit dem Geburtsverlauf weitergeht, ist der Versuch hier irgendwelche Schemata anzuwenden völlig unsinnig.

Beispielhaft kann das bei einer Frau heißen, dass sich der Muttermund in einer Stunde vier Zentimeter öffnet und bei einer anderen in vier Stunden einen Zentimeter. Du siehst, der Faktor Zeit sollte hier nicht im Fokus stehen. Möchte eine/r der GeburtshelferInnen – nachfolgend GeburtsbegleiterInnen genannt, weil das schöner klingt und nicht allein schon aus dem Wortlaut heraus impliziert, dass die werdende Mutter Hilfe benötigt – wissen, wie weit der Muttermund geöffnet ist, so gibt es einige alternative, nicht-invasive Methoden, die hierfür infrage kommen können.

Das wären zum Beispiel zahlreiche Veränderungen in Verhalten und Ausdruck der Frau im fortschreitenden Geburtsverlauf bzw. Übergang zur sogenannten „Austreibungsphase“. Erfahrene GeburtsbegleiterInnen können also zum Beispiel an der Atmung, der Körperhaltung, der veränderten Kommunikation, der Tonlage u.v.m. feststellen, ob das Baby demnächst geboren wird. Ein weiterer möglicher Anhaltspunkt, um den Fortschritt der Muttermundsöffnung zu beurteilen ist die „Purple Line“.

Purple Line und Muttermund

Bei der Purple Line handelt es sich in der Tat um eine meist lilafarbene Line, die sich vom Anus zwischen den Pobacken hinauf in Richtung Steißbein erstreckt. Und zwar verhältnismäßig in ihrer Länge zur Öffnung des Muttermunds. Ist das nicht toll? Ich bin immer wieder über die Maßen begeistert, wie wundervoll unser Körper für natürliche Geburt ausgelegt ist. Bei einem Großteil aller Frauen wird diese Linie während der Geburt sichtbar, manchmal kann man sie aufgrund der besseren Durchblutung des Beckenraumes auch schon in der Schwangerschaft erahnen. Bei Frauen mit dunkler Hautfarbe zeigt sich die Linie übrigens silberfarben.

Die Purple Line lässt sich von GeburtsbegleiterInnen natürlich am besten beobachten, wenn sich die werdende Mutter in einer aufrechten Geburtsposition befindet. Dies begünstigt zudem den natürlichen Geburtsverlauf. Obwohl offizielle Empfehlungen bereits lauten Eingriffe in den Geburtsprozess auf ein Minimum zu beschränken, möchte ich dich gerne dazu ermutigen, von deinem Recht Gebrauch zu machen, vaginale Untersuchungen von vornherein abzulehnen, wenn du das nicht möchtest. Du hast das Sagen bei der Geburt deines Kindes!



1 thought on “Don’t touch – die Purple Line und der Geburtsfortschritt”

  • Spannend! Von der “Purple Line“ habe ich noch nie gehört. Da habe ich mal wieder was gelernt.
    Und ja, Frau kann vaginale Untersuchungen auch ablehnen, oder den Zeitpunkt unter der Geburt dafür (mit-) bestimmen.
    Oft ist Frau die Untersuchung des Muttermundes bei den regelmäßigen Besuchen beim Frauenarzt während der Schwangerschaft schon so gewohnt, dass sie es auch unter der Geburt als normal ansieht. Aber auch über den Sinn der vaginalen Untersuchung während der Schwangerschaft kann man unterschiedlicher Meinung sein.

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